Sonntag, 27. Mai 2012

Perdita. Got Well Soon again

Seit Monaten fieberten die Französin und ich auf diesen Tag hin. Der Termin am vergangenen Freitag war mir Trost in so manch schwerer Stunde und die Französin meinte, deswegen schon verwinden zu können, dass ihr Jahresurlaub bis dahin zum größten Teil aufgebraucht sein würde.
Und dann kam es, wie es kommen musste- es kam anders als wir dachten. Ich, die ich eigentlich geübt darin sein sollte, Pläne lieber nicht zu schmieden, wurde schwer getroffen. Die Französin verstand die Welt überhaupt nicht mehr.
Eine unserer erklärten All-Time-Lieblingsbands spielte vorgestern einen einzigen Gig in relativer Nähe unseres Zuhauses. Selbstredend wollten wir dabei sein!
Dann ging die Französin gesund in einen Supermarkt und kam verletzt wieder heraus. Sie hatte sich bös das Sprunggelenk gebrochen, musste operiert werden und ist nach Wochen noch immer nicht beweglich.
Es war klar, dass sie nicht auf ein wie auch immer geartetes Event konnte. Für mich war auch irgendwie klar, dass ich nicht ohne sie gehen würde. Das Konzert hatte ich in meinem Geist ganz weit nach unten hinten geschoben. Dann erwachte ich am Freitag jedoch derart mies gelaunt, dass ich nicht anders konnte, als noch einmal im Netz zu schauen, was mir durch die Lappen gehen würde. Ja, ein nettes kleines Sommerfest in idyllischster Umgebung. Wunderschöne Musik. Eine laue Nacht und noch einmal: wunderschöne Musik. Schon war ich auf  der Seite der Deutschen Bahn. Schon hatte ich erfasst, dass Möglichkeiten bestanden, zum Ort des Geschehens zu gelangen. Schon hatte ich herausgefunden, dass noch genügend Karten vorrätig waren. Schon hatte ich den Hörer am Ohr, um mir von der Französin die Erlaubnis einzuholen, auch ohne sie  fahren zu dürfen.
Nähere Recherchen ergaben dann, dass es schwierig werden würde, nach dem Konzert Heim zu kommen. Eigentlich hätte ich eine Übernachtungsmöglichkeit gebraucht.
Es sei denn... Ja, es sei denn, ich setzte mich in mein Auto und stürzte mich in den Ferienbeginnverkehr. Ohne zu wissen, wohin ich genau müsste, ohne je allein so weit mit dem Auto gefahren zu sein. Dass ich bis vor kurzem noch nie ein Auto besessen hatte und also bis dato auch nur sehr vereinzelt eines gefahren war und dabei jedes Mal gestrichen die Hosen voll gehabt hatte, hatte ich erwähnt, nicht wahr?
Kurzum tat ich genau so. Ich stellte mich ganz hinten an und fuhr im Schritttempo und dreimal so lang brauchend, als an einem normalen Wochentag mit Zelda, meinem treuen Auto, zum Konzert.

Get Well Soon. Wieder einmal und immer wieder gern. Dieses Mal beim ulmer zelt. Sozusagen als Lokalmatadoren.
Wie durch ein Wunder war ich rechtzeitig angekommen. Ich werde nie genau wissen, wie ich das angestellt habe. Weder hatte ich ein Navigationsgerät, noch eine Straßenkarte...noch überhaupt eine Ahnung.
Egal. Ich war, wo ich sein wollte und ganz trunken vor Begeisterung: Zwischen Donau und Ausee hatte man in malerischer Manier Zelte und Buden aufgebaut, in denen Essen und Getränke feilgeboten wurden. Im größten Zelt, einem Zirkuszelt, fand das Konzert statt. Allein dieses Ambientes wegen ging mir ja bereits das Herz auf.
Die Band, dieses Mal lediglich zu sechst, trotzdem gewohnt multiinstrumental, erschien und spielte wortlos auf. Ein Lied, das ich noch nicht kannte und das, so erklärte Herr Gropper später, vom neuen, noch nicht erschienenen Album war und live gespielt Premiere feierte. Mir hatte das Lied sehr gefallen.  Und auch das Restpublikum im mittlerweile ordentlich gefüllten Zelt klatschte artig.
Bei "People Magazine Front Cover" konnte ich nicht an mich halten und wählte die Nummer der Französin. Ich hielt das Mobiltelefon hoch in die Luft und hoffte, sie würde alles hören.
"We are free", "5Steps/7Swords" und "A voice in the Louvre" wurden kommentarlos gespielt und freundlich angenommen. Wobei ich den Eindruck hatte, Konstantin Gropper, Kopf und Stimme, Herz und Seele und eigentlich: Get Well Soon, sei nicht gänzlich bei der Sache. Seine sonst kraftvolle und auch dieses Mal umwerfend schöne Stimme war am einen oder anderen Ton vorbei gesungen. Ich hätte das aber nicht beschworen. Objektiv darf man mich das nicht beurteilen lassen.
Ich hatte aber Recht. Wenigstens erklärte der Sänger, nun doch wieder bekannt geistreich, wieso er heute besonders aufgeregt war. Scheinbar waren Familie und Freunde zugegen und es sei etwas anderes, vor fremden Leuten zu spielen und sich gegebenenfalls zu blamieren, als vor der eigenen Sippe zu bestehen. Verena, seine Schwester (wunderschön und deutlich erschlankt), war ja sowieso mit von der Partie. "Am Gesang...sagt man das so? Klingt blöd, was. An der Geige und am, äh, Mikrophon vielleicht."
Über die Griechenlandkrise verlor man kurz noch ein, zwei Worte. Denn das nächste Stück war auch neu und  wohl in Griechenland uraufgeführt worden. "Courage Tiger" hieß es und der Applaus war angemessen, nämlich begeistert. Da war man auf der Bühne erleichtert, konnte man doch annehmen, dass auch diese neue Platte seine Anhängerschaft finden würde.
Über "Werner Herzog gets shot" freute ich mich sehr. "Roland, I feel you" war wieder neu und führte die gleiche Tradition fort, wie "W. Herzog...", weil es auch hier um einen deutschen Filmemacher geht, der in Hollywood erfolgreich ist. Roland Emmerich. Das fanden alle so sympathisch, dass sich allgemeine Erheiterung breit machte.
Zu "We are ghosts" sah ich auch endlich den ersten das Tanzbein schwingen. Ansonsten war man  im Zuschauerraum angetan, aber eher steif und, ja, etwas schmallippig. Ja und wichtig! Neben mir machte sich eifrig jemand Notizen. Ein anderer tippte hektisch in sein iPhone. Was mich auch etwas neidisch werden ließ. Ich wollte ja  nichts verpassen, hatte aber niemanden, der mir die Setlist besorgte, sondern einzig einen Kugelschreiber, mit dem ich mir die jeweils ersten zwei Worte der Titel auf den Unterarm kritzelte, um der Französin genauestens Bericht erstatten zu können.
Wo war ich? Ach ja: unlockeres Publikum.  Je nun, Tanzmusik geht schon auch anders wenn man ehrlich sein möchte.
Die wirklich ruhigen Stücke wie "A burial at sea" und "Tick-Tack" verfehlten ihre Wirkung nicht. Das tun sie nie. Richtig Gefallen fanden die Leute aber an "Angry young man", das dann nahtlos in "I sold my hands for food, so please feed me" überging.
Gegangen ist dann auch unter frenetischem Applaus: die Band.
Ich bewunderte den Lichtersternenhimmel und freute mich am typischen GWS- Tuch, das die Bühne einrahmte. Denn es war klar, dass das nicht alles gewesen sein konnte. War es auch nicht.
Mit "Red Nose Day" und einem herrlich schief in die Runde geheulten "Lost in the mountains" gab es ein erstes Nochmal.
Jemand (eine Dame?) hatte "statt Blumen und Lorbeer" einen frischen Eichenzweig dem Herrn Gropper zugeworfen. Der hat das gleich für sich und sein Können ausgelegt. Schließlich spräche es für ihn, wenn spontan Blumenähnliches die Bühne erreichte. Besser als verwelkte Sträuße im Dreck vor dem Zelt, weil womöglich das Konzert nicht für gut befunden wurde. Außerdem Blumen! Gottlob waren es keine- "hinten" sähe es ohnehin aus, wie in Shirley Basseys Garderobe...
Ach, es war so schön! Und der Französin hätte das erst gefallen!
Sein furioses Ende fand dieses Spektakel erst mit "Listen! Those lost at sea sing a song on Christmas Day". Und nun muss ich mich doch noch einmal ernsthaft für das freitägliche Publikum aussprechen.
Es gab kein Gemurre darüber, dass  mit "If this hat is missing I have gone hunting" der einzige Hit, wenn man so sagen will, gefehlt hat. Hat nämlich gar nicht gefehlt. War nur nicht gespielt worden. Und niemand hat es vermisst. Was ich eher gut fand.

Wir, die Französin und ich, wissen nun, dass wir besser nichts planen. Insgeheim sehen wir uns aber im Oktober das nächste Get- Well- Soon- Konzert wieder gemeinsam besuchen. Glück auf, sach ich nur...

Briefkasten

Gestern bin ich nicht am Briefkasten vorbei gekommen.
Deshalb habe habe ich heute pro forma hineingeschaut.
Es war etwas darin.
Ein Brief.
Ein offiziell aussehender Brief.
Von der Rentenversicherung.
Ich riss ihn auf.
Ich las den ersten Satz.
Ich las ihn noch einmal.
Da stand:
Sehr geehrte Frau Lugner,

auf ihren Antrag bewilligen wir Ihnen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben dem Grunde nach...


Das ist unglaublich.
Denn das stand da wirklich.

Natürlich heißt das erst einmal nicht viel.
Sagt jedenfalls nichts über Art und Umfang der "Leistungen".
Aber es ist ein Anfang.
Ein kleines Licht am Ende des Tunnels.
Das habe ich gebraucht.
Jetzt kann es weitergehen.

Durchwachsen

Diese Woche durchwachsen zu nennen, würde ihr nicht gerecht. Träfe es aber allemal. Denn irgendwie war von allem etwas dabei:
Gemeinsam mit der Schweizerin und ihrer einjährigen Tochter kaufte ich Dessous und eine Brustprothese. Etwas, das ich lange hinausgezögert hatte. Ich war ja immer zurecht gekommen. Merkte jedoch mit der Zeit, dass ich in der Wahl meiner Garderobe doch recht eingeschränkt war.
Der Kauf selbst war zwar irgendwie strange. Der eigentliche Im-Boden-versink-Moment aber war erst angebrochen, als die Schweizerin ihren Mann fragte, ob ihm an mir nichts auffiele (einen BH und die Silikon- Brust hatte ich gleich anbehalten). Der Mann der Schweizerin ist ein äußerst wohlerzogener Zeitgenosse, sehr diskret und in höchstem Maße anständig. Er wurde, als er ahnungslos mit den Schultern zuckte, darauf hingewiesen, dass er mal auf Perditas  Dekolleté achten solle. Das sei nämlich neu und wirklich ansehnlich. "Hmpf" machte der Arme und ich gab meinem Drang nach, hemmungslos zu glucksen.
Absurd ging es, wie ich bereits berichtet hatte, beim Integrationsfachdienst weiter, als ich dachte, ich stünde im Wald, weil ich mich in einem Rechtfertigungszwang fühlte, der mir sehr unangenehm war, der mir aber eine Lehre sein wird. Es wird mich niemand mit Samthandschuhen berühren auf dem Arbeitsmarkt. Nicht, dass das überhaupt schon einmal irgendwer getan hätte. Manchmal wünschte ich mir allerdings, es wäre anders.
Dass ich selbst mit mir nicht zimperlich bin, bewies ich wieder einmal mit der Schweizerin. Die hatte vorsichtig angefragt, ob es für mich eventuell denkbar sei, sie und ihre Tochter ins Freibad zu begleiten. Den Drops hielt ich für gelutscht nach dem Junggesellinnenabschied der Vertrauten, den wir ihr in der Therme bereitet hatten. Ich sagte also zu und in der Tat werde ich mir über öffentliche Auftritte im Bikini keinerlei Gedanken mehr machen.
Außer natürlich, ich nähme noch weiter zu. Unschöne fünf kg haben sich ausgerechnet um meine Mitte herum breit gemacht. Die zwei Kleider, die ich vor den Augen der Schweizerin an diesem Tag anprobierte, brachten diese hervorragend zur Geltung. Es war demütigend...und urkomisch. Für mich eine neue Erfahrung. Denn um Gewichtsprobleme habe ich mich bislang nie kümmern müssen.
Zum Trost bekam ich ordentlich zu Essen-.- .
Zwischen all dem verbrachte ich, wie ebenfalls zu lesen war, einen netten Biergartenabend.
Mein Babe von der Krankenkasse rief mich an, um zu fragen, ob ich das schöne Wetter genösse. Wollte aber eigentlich wissen, warum ich faules Stück noch nicht wieder in Lohn und Brot stünde.
Stolz präsentierte ich meine Bemühungen und werde für die nächsten Wochen Ruhe haben vor der Dame.
Ungern aber tapfer habe ich telefonisch Termine für die nächste Untersuchungsrunde ausgemacht.
Das Krümelchen, jüngste Tochter meiner Vertrauten, hatte Geburtstag. Das war viel wichtiger und wurde im Familien- und Freundeskreis gefeiert, war also kein eigentlicher Kindergeburtstag.
Hier wies ich die anwesenden Damen ausdrücklich auf meinen neuen Busen hin, beziehungsweise wurde der ohnehin bemerkt. Ebenso wie meine neue Leibesfülle: "Du bist überhaupt nicht dick, Perdita. Aber der Bauch, gelle..."
Ach, lasst mich doch damit in Frieden! Seit Freitag fühle ich mich großartig. Fünf Kilo hin, zehn Kilo her. Da bin ich über einen noch größeren Schatten gesprungen, als mich halb nackt  der Freibadöffentlichkeit zu präsentieren. Aber das ist einen eigenen Post wert. Mindestens.


Samstag, 26. Mai 2012

Entdeckungen

Der Aquarianer hat mich neulich eine sehr hübsche Entdeckung machen lassen. Einen wirklich schnuckeligen , verwunschenen, kleinen Biergarten, den er vorgeschlagen hatte für ein Treffen und ein Getränk. Dort sitzt man arg nett wo zwei Flüsse aufeinander treffen, der eine also in den anderen fließt, und kommt sich vor, als befände man sich am Bug eines Schiffes.
Enten jagen einander und Schwäne führen ihre Jungen spazieren; eigentlich stören die Biergartengäste hier die Fauna.
Jedenfalls saßen wir, der Aquarianer und ich, und tranken und schwatzten. Das eine oder andere Problem packten wir wohl an. Zum Wälzen waren sie aber alle zu schwer.
Als dann die Wolken am Himmel sich zu Regen- und Gewitterbergen aufgebaut hatten, sagten mein Begleiter und ich uns leise "Servus".
Bevor wir endgültig schieden, lobte der Aquarianer den Abend:
"Je nun, Perdita. Was hatten wir es nett. Doch. Das war wirklich schön, so miteinander zu plaudern. Allerdings, weißt du, haben meine Probleme sich dadurch auch nicht in Luft aufgelöst. Und Geld hat`s auch  gekostet."
Ja mein Lieber. So und wirklich genau so kann man das stehen lassen. Total wertfrei, Wort für Wort.

Heute habe ich mich selbst eine sehr hübsche Entdeckung machen lassen. Die hatte zwar wenig mit Getränken und nur äußerst peripher mit einem Biergarten zu tun. Aber wenigstens ein Fluss spielte eine Rolle. Eine gänzlich untergeordnete, aber eine Rolle.
Zelda, mein Auto war ganz vorn mit dabei. Die Französin am Telefon. Und ich, Perdita, stand in der ersten Reihe. Und  zwar im doppelten Wortsinn. Denn die Entdeckung hat mit mir zu tun, die ich ein entzückendes kleines Festival gesucht und gefunden habe.
Das war auch wirklich schön, hat meine Probleme nicht gelöst und Geld gekostet.
Ein ausführlicherer Bericht wird sicher folgen.
Ansonsten werde ich auch das einfach so stehen lassen. Wertfrei und Wort für Wort.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Ich ergebe mich

Wieder einmal saß ich einer Frau gegenüber, die nicht verstand, dass nach"doch wohl erfolgreich" abgeschlossener Krebstherapie Beeinträchtigungen bestehen können, die einen Wechsel des Arbeitsplatzes, wenn nicht gar einen Berufswechsel erforderlich machen könnten. Wieder einmal hatte ich das ungute Gefühl, meine kostbare Zeit, die ich gern sinnvoll nutzen möchte, zu verschwenden.
Herrje, hab ich mich geärgert; dass ich nicht noch in den Tisch gebissen habe, war alles! In den Tisch des Integrationsfachdienstes, wo ich heute zum Gespräch geladen war. Beziehungsweise hatte ich mich selbst geladen. Ich habe ja von vornherein nicht viele Erwartungen gehegt. Wenigstens habe ich allerdings angenommen, hinterher so schlau wie zuvor zu sein. Nun bin ich verwirrt. Und in allerhöchstem Maße verärgert. Aus Wut habe ich mich hinreißen lassen, in einem öffentlichen Büro zu heulen. Dass ich noch dazu vor Aufregung mit einer amtlichen Hitzewallung mit scheußlichem Schweißausbruch zu kämpfen hatte, nahm mich nicht eben für die Dame ein.
Mein Entschluss steht fest: Den nächsten verständnislosen Stoffel werde ich kurzerhand bitten sich vorzustellen, er oder sie hätte Krebs.
Eigentlich hatte ich um Hilfe ersucht. Jetzt benötige ich psychologischen Beistand...
Meine extrovertertierte Vertraute vertritt ja die These, dass eine "Krebspersönlichkeit", wenn man denn von einer solchen schon unbedingt sprechen will, niemand ist, der besonders schlecht mit Stress umzugehen vermag und deswegen diese Krankheit hat. Vielmehr bekämen nur Leute Krebs, die auch in der Lage seien, dieses Kreuz überhaupt zu tragen. Besonders starke Menschen demzufolge.
Auf mich trifft das nicht zu. Ich strecke hiermit die Waffen und erkläre mich für gesund. Denn stark- puh- fühle ich mich gerade gar nicht.

Samstag, 19. Mai 2012

Herrentag

Klar, dass wir uns den ausgesucht hatten, um der extrovertierten Vertrauten eine Junggesellinnensause zu zaubern, die sich, äh, gebadet hat.  Mit Überfall und Entführung und allen Peinlichkeiten, die dazugehören. Aber ach, so vieles musste die Braut in spe gar nicht erdulden. Lediglich ein  Diadem hatte sie zu tragen und zum Zwecke der Geheimniskrämerei eine Schlafmaske, auf der ihr Name in Strasssteinchen prangte. Dass die Vertraute und Schatzi heiraten hatte ich erwähnt, oder?
Sieben Damen zeigten sich jedenfalls verzückt, als am Ende des Tages ein Herr zur Erinnerung ein Gruppenfoto schießen sollte, der Vertrauten auf die Maske blickte, ihr die Schulter tätschelte und in zauberhaftestem Britischen Akzent "alles Güte, Vadrrauda" hauchte. Ich hätte ihn gern eingesteckt und mitgenommen. Seine blonde Begleitung hätte den Abend schon irgendwie ohne ihn herumgebracht.
Vier aus unserer Junggesellinnen- Runde fanden den Briten vielleicht charmant.  Für sie aber war der Masseur aus der Therme, in die wir die Vertraute verschleppt hatten, der Favorit. Wobei keine von Vieren heute noch sagen könnte, wie der Mann ausgesehen hat. Das war nämlich unerheblich, denn der Masseur war das, was mein sehbehinderter Durchwalker im Kurchen nicht im Entferntesten war: ganz saaanft. Der Mann fürs Grobe im Kurchen wurde von mir liebevoll mit "Kneifer" betitelt und verdiente sich diesen Namen jedes Mal aufs Neue und war auch noch stolz darauf!
Hatte ich mich im Kurchen schon nicht entspannen können und in ständiger Hab- Acht- Stellung in Erwartung neuer Kneifattacken gesessen (an Liegen war nicht zu denken) , lag ich vor diesem fremden, sehenden Mann, eingeschnürt  in den hauseigenen Bademantel, noch zähneknirschender und schwitzender vor einer von mir nicht mehr unter Kontrolle zu haltenden Situation: Mir sollten die Hände massiert werden. Im Vorfeld und zur Vereinfachung der Buchung hatte sich jede von uns Damen bereits für eine Massageform entscheiden müssen. Hand, Gesicht oder der gesamte Leib? Wegen medizinischer Kontraindikation musste für mich die Ganzkörpermassage leider ausfallen. Leider? Auf eine gewisse Art natürlich "leider".  Ich bin aber auf eine gänzlich andere Art schon gottfroh über die Möglichkeit, offen und mehr oder minder schamlos eine Therme besuchen zu können, ohne zuvor nächtelang wachliegen zu müssen.
Eine von uns brachte es treffend auf den Punkt: "Lieber sollte mein Mann Gynäkologe sein, als Masseur! Junge- Junge- Junge, ich hätte keine ruhige Minute mehr mit einem, der täglich Damen solcherart beglückt." Wir anderen nickten wissend. Welche Frau könnte schon für irgendwas garantieren, wenn da einer käme und mit seinen sensiblen Fingern zwischen ihre sensiblen Finger fährt? Das war, da waren wir uns einig, der intimste Augenblick.*schamacht*
Einen großzügigen Saunabereich hatte die Therme ebenfalls zu bieten. Zwar ist auch das Saunieren wegen eventuellem ungenügendem Lymphabfluss mit Vorsicht zu genießen. Auch kostete mich der Gang zum Drehkreuz zum textilfreien Bereich ein mü Überwindung. Doch diese Gelegenheit zum Training im Blickeaushalten wollte ich im Schutze der netten Damenrunde nicht ausgelassen haben.
Am End kam es doch nicht dazu. Anfangs  wurde versäumt, den Saunabesuch aufs Durchgangsbändchen zu buchen und das Dazuzahlen gestaltete sich allzu kompliziert.
Meine extrovertierte Vertraute freute sich trotzdem mit feuchten Augen, "dass Du mitgekommen bist, Perdita..."
Überhaupt hatten wir der Zukünftigen zwar kein ganzes Wochenende zum Junggesellinneabschied beschert. Schön hat sie es mit Sicherheit trotzdem gefunden. Spaß hatte sie auch- keine Frage, wir waren ja dabei.
Wir haben gelacht, wir ließen uns verwöhnen, aalten uns in der gar nicht vorher gesagten Sonne, quatschten über alte Zeiten und die Zukunft, planten die letzten Hochzeitsvorbereitungen und waren einfach Weiber.Sechs, später sogar sieben dreckig lachende Weiber. Die sich so richtig den Bauch vollschlugen im für den Abend reservierten gut-gut-bis-sehr-gut- bürgerlichen Restaurant und den Kellner vielleicht auch etwas über- forderten.
Mir hat das ausnehmend gut gefallen. Am meisten freute es mich, dass die Vertraute nicht Lunte gerochen hat und eigentlich schon traurig war, dass ihre Mädels nicht mit ihr feierten. "Gell Schatzi, die machen nix für mich? Und wenn: ich geh`gar nicht mit!" Schatzi war nämlich längst bespaßt worden und hatte bei Vertrautes`Augenaufschlag sicher Mühe, nichts zu verraten.
Eigentlich haben wir schon beschlossen, dass wir das nächstes Jahr wieder machen. Mädchensause. Am Herrentag.

Dienstag, 15. Mai 2012

Noch ein Abschied

Abschied von einem wunder- wunderschönen Blog. Mit ihm von einer Frau, die ich ein Stück begleiten durfte. Ohne sie persönlich zu kennen, schätzte ich sie sehr. Ihre Art von Ausdruck in Wort und Bild.
Ganz fein. Bis zum Schluss.
Ich bin betroffen über ihren Tod. Doch ganz getröstet.
Meine Gedanken sind bei ihren Lieben, ihrem Liebsten.
Ich ziehe meinen Hut vor Irene G.